Demokratie, Wissenschaft und das Gesundheitssystem
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Demokratie, Wissenschaft und das Gesundheitssystem

07.05.2017
Einige Veränderungen in unserem deutschen Gesundheitssystem sollten uns eigentlich dringend Anlass zur Sorge geben, wenn wir verschiedene Vorgänge analysieren und dann im Zusammenhang betrachten. Denn früher oder später werden wir alle selbst oder indirekt davon betroffen sein, also sollten wir diese Zeichen deuten und verstehen. Teilweise durch die Politik verursacht, aber auch durch eine Medienlandschaft, die oft tendenziös und manipulativ berichtet, droht unser Selbstbestimmungsrecht mehr und mehr dahin zu schwinden.

Ausweitung ärztlicher Zwangsbehandlungen

Anfang des Jahres stellte der Bundesjustizminister Heiko Maas einen Gesetzentwurf vor, der die Bedingungen ärztlicher Zwangsbehandlung neu regeln soll. Bisher war dies nur in geschlossenen, psychiatrischen Abteilungen möglich. Das Bundesverfassungsgericht wies allerdings auf eine Gesetzeslücke hin, die nun geschlossen werden müsse. Betroffen sind dabei alle Personen, die unter gesetzlicher Betreuung stehen, also beispielsweise demenzkranke Senioren, aber theoretisch auch Kinder, die unter staatlicher Obhut stehen (in Deutschland derzeit insgesamt ca. 1.200.000 Menschen). Das neue Gesetz sieht vor, dass ärztliche Zwangsbehandlungen nun auch in Krankenhäusern stattfinden dürfen, die Befugnisse der behandelnden Ärzte sollen also deutlich ausgeweitet werden.

Damit könnten dann Personen, die z.b. eine Chemotherapie bei Krebs für sich ablehnen, dazu gezwungen werden. Die Beteuerungen des Ministers, das Selbstbestimmungsrecht der Patienten werde dadurch gestärkt, weil das Gesetz nur als „ultima ratio“ angewendet werden würde, muten äußerst fadenscheinig an. Wie das letztlich in der Praxis überprüft werden soll, ist natürlich völlig unklar. Klar dürfte jedoch sein, dass der Pharmaindustrie damit zusätzliche Einkünfte gesichert werden.

Verschärfung des Impfmobbings durch den Bundesgesundheitsminister

Auch unser Bundesgesundheitsminister macht wieder einmal mit einem Vorstoß zum Ausbau des allgemeinen Impfmobbings von sich Reden. So sollen Kitas gesetzlich dazu genötigt werden, Eltern, welche eine Impfberatung beim Kinderarzt verweigern, an das Gesundheitsamt zu melden. Zunächst einmal gibt es in Deutschland keine allgemeine Impfpflicht und Daten, wie die über erfolgte oder nicht erfolgte Impfungen unterliegen dem Persönlichkeitsschutz, somit fallen sie auch unter die ärztliche Schweigepflicht. Um dies Problem zu umgehen, erschuf Minister Gröhe das Präventionsgesetz, das unter anderem eine ärztliche Impfberatung als Voraussetzung für die Aufnahme in einer Kita vorsieht. Die zum größten Teil gar nicht kommunal (also staatlich), sondern kirchlich oder privat getragenen Kindertagesstätten sozusagen zum Denunzieren von Eltern zwingen zu wollen, erinnert doch ein wenig an die Methoden der damaligen DDR mit ihrem repressiven Stasi-System.

Was Herrmann Gröhe inzwischen für die untragbare Situation der selbstständigen Hebammen unternommen hat, oder welche konkreten Erfolge er beim Problem mit den Krankenhauskeimen (die laut Schätzungen für bis zu 40.000 Todesfälle jährlich in Deutschland verantwortlich sind) vermelden kann, ist uns leider nicht bekannt.

Forderung der FDP nach einer Impfpflicht

Ebenso die nahezu in der Versenkung verschwundene „Freie demokratische Partei“, ist sich nicht zu schade, einem Antrag für die Einführung einer Impfpflicht für Kinder bis 14 Jahren auf dem vergangenen Parteitag - wenn auch mit knapper Mehrheit - anzunehmen. Wie sich das mit dem „Recht, im Rahmen medizinischer Behandlungen, frei über seinen Körper zu bestimmen“, oder kurz gesagt, mit dem „F“ im Parteinamen vereinbaren lässt, sollte zumindest verwundern. Die Zahlen, „nur 37% der Kinder seien wie empfohlen gegen die Masern geimpft“ sind allerdings frei erfunden. Nach Angaben der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, liegen die Impfraten seit einigen Jahren stabil über 90% (für die 1. Dosis sogar über den angeblich erforderlichen 95%). Wenn auch mit Abweichungen in den verschiedenen Bundesländern, wodurch sich allerdings kein Zusammenhang mit den lokalen Fallzahlen bilden lässt. Die problematischen Altersgruppen bei den letzten Masernausbrüchen sind allerdings jenseits der 14 Jahre, bei denen der Impfschutz offenbar stark abnimmt, bzw. Säuglinge, die früher durch den noch gut funktionierenden Nestschutz der Mütter immun waren. Interessanterweise treten die größten Masernausbrüche in Ländern des ehemaligen Ostblocks auf, bei denen viele seit langem eine Impfpflicht auch gegen Masern vorschreiben.

Aber was interessieren die Herren Politiker schon solche für jeden leicht zu recherchierende Fakten, schließlich ist ja Wahlkampf! Sicher eine prima Idee, auf die einstigen Grundwerte der Partei zu pfeifen, sich den Lobbyisten anzudienen und damit auch noch die letzten Wähler zu vergraulen. Weiter so, dann klappt’s bestimmt auch wieder mit der 5%-Hürde!

Der Umgang der Medien mit dem Film „Vaxxed“

Den aktuellen Höhepunkt an Desinformation leistete sich allerdings kürzlich der Großteil unserer Medien mit der Bewertung des (oder besser gesagt: Der Warnung vor dem) Dokumentarfilm „Vaxxed“ unter der Regie des britischen Gastroenterologen und Forschers Dr. Andrew Wakefield. Dem allgemeinen Tenor nach scheinen die meisten Journalisten den Film gar nicht gesehen zu haben, denn es werden, ohne auf den Inhalt einzugehen, ersatzweise die alten Kamellen ausgegraben, Wakefield sei ein überführter Lügner, Impfgegner, habe wissenschaftliche Daten gefälscht, seine damalige Studie sei in der medizinischen Fachzeitschrift zurückgezogen worden, er habe in unethischer Weise gehandelt, Geld angenommen und er habe schließlich seine Zulassung als Arzt verloren. Somit sind die Leser und Leserinnen dann schon einmal bezüglich des offenbar abscheulichen Charakters des Forschers auf Linie gebracht, der Film kann ja dann auch nur noch Lügen und Unwahrheiten enthalten, oder?

Nun scheint es etwas aus der Mode gekommen zu sein, als Journalist stets ausgewogen zu informieren, so dass sich Medienkonsumenten eine eigene Meinung bilden können. Aber Wakefield hatte ja angeblich schon damals der öffentlichen Gesundheit geschadet, also muss man hier vorsorgen!

Was war damals eigentlich geschehen?

Dr. Andrew Wakefield arbeitete früher am Londoner Royal Free Hospital und galt in Fachkreisen als renommierter Forscher. Als Forschungsschwerpunkt kümmerte er sich unter anderem um chronische Darmentzündungen und einen möglichen Zusammenhang mit schweren Entwicklungsstörungen. In diesem Zusammenhang publizierte er 1998 mit einigen weiteren Autoren die besagte Studie, der von „The Lancet“ später (erst 2010) zurückgezogen wurde (s. unser Bild). Darin werden die Fälle von zwölf Kindern beschrieben, wobei acht von ihnen unmittelbar nach der Impfung mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln die ersten Symptome entwickelten. Diese sogenannten Case-Control-Studien bilden in der medizinischen Forschung oft den Beginn von Erkenntnisgewinn durch weitere Untersuchungen, die die Studie entsprechend ja auch forderte. Ein Zusammenhang der MMR-Impfung mit Autismus wurde also darin nicht behauptet, sondern zur weiteren, wissenschaftlichen Diskussion gestellt. Heute halten sich Studien, die diesen Zusammenhang vermuten und die, die ihn eher ausschließen, ungefähr die Waage, tatsächlich geklärt ist allerdings noch nichts.

Angeblich aufgrund der Studie (und der folgenden öffentlichen Diskussion in Großbritannien) brachen die MMR-Impfraten stark ein. Allerdings weist selbst der entsprechenden ‚Wikipedia‘-Artikel darauf hin, dass es trotzdem zu keinen Masern-Epidemien kam. Wakefield empfahl bis zur weiteren Klärung, auf den MMR Impfstoff zu verzichten und wieder Einzelimpfstoffe zu verwenden. Das widersprach allerdings den gesundheitspolitischen Bemühungen unter der Regierung Tony Blair, den MMR-Impfstoff zu etablieren. Letztlich führte eine bis dahin beispiellose Medienkampagne, ausgelöst durch den Journalisten Brian Deer zur öffentlichen Demontage Wakefields und seiner wissenschaftlicher Reputation, Wakefield gab daraufhin seinen Posten am Royal Free Hospital auf und emigrierte in die USA.

Wer sich ein ausgewogenes Bild der ganzen Geschichte machen möchte, dem empfehlen wir das Buch „Callous Disregard“ (https://www.amazon.com/Callous-Disregard-Autism-Vaccines-Tragedy/dp/1616083239) von Wakefield, in dem er die Ereignisse aufarbeitet. Ebenso lesenswert ist auch das Buch „Autismus und Impfen“ von Wolfram Klingele. Eine Leseprobe, in der die Begebenheiten rund um den „Fall Wakefield“ wissenschaftlich analysiert werden, können Sie hier herunterladen: https://impfentscheid.ch/wp-content/uploads/Der-Fall-Wakefield-Auszug.pdf

Viele der Vorwürfe lösen sich dabei in Luft auf, z.B. die unethischer Methoden, dem Verheimlichen von Interessenkonflikten oder der Fälschung von Studienergebnissen. Ein Mitautor der Studie, Prof. John Walker-Smith, der ebenfalls aufgrund derselben Vorwürfe seine Zulassung verlor, erstritt diese 2012 vor dem High Court of Justice zurück.

Wo genau irgendwo dazwischen die Wahrheit liegt, vermögen wir nicht zu beurteilen. Trotzdem wird „Die Akte Wakefield“ seit je her dazu benutzt, auch nur die leiseste Kritik an Impfungen auszubügeln: „Seht her, die Impfkritiker berufen sich auf einen Fälscher!“ Differenziertes Argumentieren geht wohl anders.

Vermutlich handelt es sich bei den unter „Autismus Spektrum Störungen“ zusammengefassten Symptomen um multifaktorelle Ursachen. Auffallend ist jedoch, wie wenig man zwar darüber weiß, Impfungen aber generell als Ursache auszuschließen versucht. Reviews mit hohem Impact, wie die der Cochrane Collaboration, bemängeln jedenfalls überwiegend die unzureichende Studienlage zur Sicherheit.

Aha. Aber worum geht es denn jetzt eigentlich in dem Film?

Die Dokumentation „Vaxxed – From Cover-Up to Catastrophe“ von 2016 wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als sie auf dem von Robert De Niro initiierten „Tribeca Film Festival“ gezeigt werden sollte, kurz vorher jedoch auf starken Druck aus dem Programm genommen wurde. De Niro verteidigte diese Entscheidung später in einem Fernsehinterview, er habe das Festival schützen wollen, betonte aber: „Everyone should see Vaxxed!“. De Niro ist Vater eines an Autismus erkrankten Kindes und plädiert für ergebnisoffene Forschungen zu dem Thema.

Da ich Gelegenheit hatte, den Film zu sehen, möchten ich an dieser Stelle kurz zusammenfassen, worum es inhaltlich tatsächlich geht. Im Mittelpunkt stehen die Mitschnitte von Telefonaten des Whistleblowers und hochrangigen Wissenschaftlers der Centers for Desease Control and Prevention (CDC, oberste Gesundheitsbehörde der USA), Dr. William Thompson und dem Forscher Brian Hooker. Aus diesen Gesprächsaufzeichnungen geht hervor, dass es bei einer Studie der CDC, die den Zusammenhang MMR-Impfung und Autismus untersuchen sollte, zu massiven Manipulationen kam, ebenfalls ist die Rede davon, dass man sich zum gemeinsamen Vernichten der Daten traf. Thompson fertigte allerdings heimlich Kopien an, die heute noch verfügbar sind und den Forschungsskandal belegen. Ganz offensichtlich belasteten die Skrupel den Forscher schwer. „Oh my God, I can’t believe that we did what we did! But we did!“ hört man ihn im Film dazu sagen.

In dem Film kommen außerdem verschiedene weitere Forscher und betroffene Eltern zu Wort. Gegen Ende wird gezeigt, wie in den USA praktizierende Ärzte mit den ursprünglichen, ungefälschten Daten konfrontiert werden und dabei erschrocken und ratlos zurückbleiben. Das gesamte Ausmaß der „Epidemie Autimus“ kann man sich trotz der vielen gezeigten Beispiele nur in etwa vorstellen.

Inwieweit und wofür überhaupt der Film Propaganda betreibt (wie der Wikipedia-Artikel dazu behauptet), erschließt sich einem in keiner Weise. Der Film endet lediglich mit den Forderungen, Einzelimpfstoffe zu Masern, Mumps und Röteln wieder verfügbar zu machen und Dr. William Thompson zu einer offiziellen Anhörung vorzuladen, sowie der Aufhebung des „National Childhood Vaccine Injury Act“ von 1986 (durch den die Hersteller der Impfstoffe von jeder Verantwortung für Impfschäden befreit wurden).

Dr. Andrew Wakefield äußerte sich in einer Rede folgendermaßen: In dem Film würden die fünf Autoren der Studie angeklagt und die Direktorin der CDC, Julie Gerberding, dem schlimmsten humanitären Verbrechen beschuldigt. Personen, die beauftragt sind, für die Sicherheit und das Wohlergehen von Kinder zu sorgen. Würde nur ein einziges Wort in dem Film eine Lüge bedeuten, wären sie bis zum Mond und zurück verklagt worden. Es sei aber nichts der Gleichen zu vernehmen gewesen.

Auch in Deutschland läuft der Film seit einigen Wochen in den Kinos. Durch groß angelegte Kampagnen (bis hin zu offenen, aber anonymen Drohungen gegen Mitarbeiter der Kinos) über social media, wurden jedoch einige Vorführungen abgesagt. Wir konnten in den Diskussionen dabei auffällig viele Akteure rund um die sogenannten „Skeptiker“ (G.W.U.P) ausmachen, einer Gruppierung, die ständig bemüht ist, eine wie auch immer geartete Impfkritik grundsätzlich zu diskreditieren. Pseudo-Argumente wurden vorgebracht, z.B., Autisten würden in dem Film stigmatisiert und so schlimm sei die Erkrankung ja in Wirklichkeit gar nicht.

Was können wir denn angesichts dessen noch tun?

Es scheint dringend geboten, uns regelmäßig, möglichst ausführlich und ausgewogen zu gesundheitlichen Themen zu informieren. Auf die Politik, die Regierung, die Gesundheitsbehörden und Teile der Wissenschaftsgemeinde können wir uns dabei (wie oben gesehen) längst nicht mehr zu 100% verlassen. Geschweige denn, auf ausgewogene Information in den Leitmedien.

Wir von Good Doc bleiben auf jeden Fall für Sie am Ball und berichten weiter über Misststände in unserem Gesundheitswesen.


Links mit weiterführenden Informationen:
- http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/35883/Chemotherapie-Jetzt-mit-Zwang-geplant.htm
- http://opposition24.com/groehe-impf-ueberwachung-kitas/309556
- http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/FDP-fordert-Impfpflicht-weil-viele-Kinder-an-Masern-erkranken-id41319231.html

Quellen der verwendeten Bilder: Bildschirmfoto der Website „The Lancet“, Pressematerial auf der Website http://www.vaxxed-derfilm.de



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